Was passiert in meinem Körper?

Bei einer CIDP werden die Myelinscheiden der Nervenzellen vom Immunsystem attackiert.

Dabei sind mit Abwehrstoffen beladene T-Lymphozyten ebenso beteiligt wie B-Lymphozyten, welche gegen die Myelinscheiden gerichtete Antikörper ausschütten. Antikörper sind die Spezialwaffen des Immunsystems, die eigentlich nur gegen Krankheitserreger zum Einsatz kommen sollen und auf erregertypische Oberflächenstrukturen – die Antigene – ausgerichtet sind. Auch Körperzellen tragen außen solche Erkennungsstrukturen, die aber normalerweise von den Immunzellen ignoriert werden, weil diese eigentlich treffsicher zwischen „selbst" und „fremd" unterscheiden können.

Diese Fähigkeit ist bei Autoimmunerkrankungen offenbar gestört. Im Fall der CIDP nehmen T-Zellen und B-Zellen irrtümlich das Isoliermaterial der peripheren Nerven (Myelin) ins Visier und starten immer wieder neue Attacken. Auch aktivierte Makrophagen scheinen eine Rolle bei der akuten Demyelinisierung zu spielen. Weil der Körper sich selbst angreift, spricht man von einer Autoimmunkrankheit, autoaggressiven T-Zellen und Autoantikörpern – „auto" heißt im Altgriechischen „selbst".

Chronische Entzündung

Durch den Beschuss mit Autoantikörpern und Abwehrstoffen kommt es im Bereich der Myelinscheiden zu Entzündungsreaktionen, die durch Zytokine – die Botenstoffe des Immunsystems – immer weiter aufgeheizt werden. Die Folge sind Probleme bei der Signalübertragung.
Sind motorische Nerven betroffen, kann es passieren, dass Befehle verspätet oder gar nicht mehr bei den Muskeln ankommen. Das ist der Grund für Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen. Sind dagegen die Myelinscheiden sensorischer Nervenbahnen defekt, kommt es zu Empfindungsstörungen wie Taubheits- oder Kribbelgefühl.

Glücklicherweise sind die fehlgeleiteten Immunzellen nicht ständig in Aktion. Das heißt, sie starten eine Zeit lang ihre Angriffe, und kommen dann wieder zur Ruhe. Das gibt den entzündeten Myelinscheiden die Chance, sich zu erholen. Trotzdem ist bei CIDP von einem chronischen Entzündungsprozess auszugehen, der in unterschiedlichem Ausmaß zu bleibenden Funktionsstörungen führen kann.
 
Es gibt verschiedene Verlaufsformen der CIDP, wobei sich erst nach einiger Zeit abzeichnet, nach welchem Muster die Erkrankung im individuellen Fall v erläuft. Häufig kommt es in unregelmäßigen Abständen zu Krankheitsschüben mit Muskelschwäche, Lähmungserscheinungen und/oder Empfindungsstörungen, die sich über Wochen bis Monate hinweg entwickeln. Auf einen Schub folgt eine Erholungsphase, in der sich die Symptome zurückbilden können. Die Chancen dafür sind in jünger en Jahren besser, bei älteren Patienten muss dagegen eher mit schleichend fortschreitenden Verläufen und bleibenden neurologischen Beeinträchtigungen gerechnet werden.

Die Behandlung zielt darauf ab, die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten und zu verhindern, dass die Myelinscheiden dauerhaft zerstört werden und in der Folge auch die Nervenfasern selbst Schaden nehmen.