Was kann ich selbst tun?

Muskeln trainieren

Auch Sie selbst können zum Behandlungserfolg beitragen. Muskeln müssen trainiert werden, damit sie ihre Kraft behalten – das ist grundsätzlich so, und bei CIDP gilt das ganz besonders.
Sie sollten sich deshalb möglichst regelmäßig bewegen, aber achten Sie darauf, dass Sie sich nicht überanstrengen. Beraten Sie sich am besten mit Ihrem Physiotherapeuten, welche Bewegungsarten für Sie geeignet sind und Ihnen gut tun würden. Grundsätzlich sind regelmäßige Spaziergänge zu empfehlen, und auch Schwimmen bietet sich zum Muskeltraining an, weil die Tragkraft des Wassers die Belastung mildert.
Anschließend sollten Sie sich immer eine Ruhephase gönnen, damit sich der Körper erholen kann. Und noch etwas ist wichtig: Setzen Sie sich nicht unter Druck – lassen Sie es langsam angehen und suchen Sie sich eine Bewegungsart aus, die Ihnen wirklich Freude macht!

Schwierigkeiten umschiffen

Neben Physiotherapeuten sind auch Ergotherapeuten wichtige Partner, die Ihnen helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die Erkrankung erfolgreich zu meistern. Ergotherapeuten schauen sich gemeinsam mit Ihnen an, wo konkret sich der Alltag schwierig gestaltet.
Manchen Menschen mit CIDP fällt das Treppensteigen besonders schwer, andere fühlen sich vor allem durch Störungen der Feinmotorik beeinträchtigt. Das Schließen eines Knopfes beispielsweise kann zum Problem werden. Da heißt es: üben, üben, üben! Manchmal kann es auch sinnvoll sein, die Schwierigkeiten zu umschiffen und nach Alternativen zu suchen. So könnte man – um im Beispiel zu bleiben – soweit möglich von Knopf auf Reißverschluss umsteigen.
Ein weiteres wichtiges Thema sind Stolperfallen in der Wohnung. Bei Gangunsicherheit können lose Teppiche oder herum liegende Kabel noch mehr als sonst zu Gefahrenquellen werden, die man aber ganz einfach beseitigen kann. Erfahrene Ergotherapeuten können Ihnen viele weitere Tipps geben, die den Alltag erleichtern und sicherer machen. Nutzen Sie diese Chance!
Grundsätzlich sollten Sie sich nicht scheuen, um Hilfe zu bitten. Natürlich haben Sie den
Wunsch, möglichst alleine zu Recht zu kommen – und das tun Sie auch. Trotzdem kann es immer mal wieder eine Situation geben, in der es gut wäre, sich – im direkten oder übertragenen Sinne – auf jemand anderen zu stützen. Vielleicht sind Sie allein unterwegs, stehen plötzlich vor einer Rolltreppe, und hinter Ihnen drängeln schon die nächsten. Jetzt würde es Ihnen sehr helfen, wenn Ihnen jemand unter die Arme greift. Schauen Sie sich um, wer Ihnen sympathisch erscheint und dann fragen Sie!
Vieles, was wir als problematisch empfinden, findet nur in unserem Kopf statt. Bauen Sie sich selbst keine zusätzlichen Hürden auf. Gehen Sie offen mit Ihrer Erkrankung um und Sie werden von den Reaktionen positiv überrascht sein.

Rituale zur Entspannung

Die Diagnose einer chronischen Nervenerkrankung verursacht Stress und macht Angst – das ist mehr als verständlich. Hinzu kommt, dass der Verlauf sich nicht vorhersagen lässt. Mit der Zeit jedoch wird es Ihnen gelingen, in die neue Lebenssituation hinein zu wachsen und trotz CIDP ein aktives, erfülltes Leben zu führen.
Trotzdem kann es immer wieder Phasen geben, in denen es nicht so gut läuft: Ihr Körper
will nicht so, wie Sie wollen. Vielleicht gibt es auch Streit in der Familie, weil alle überfordert sind. Manchmal braucht es dann nur eine Kleinigkeit, und alle Zuversicht ist verflogen. Die Nerven liegen blank, und auch die Angst ist plötzlich wieder da: Wie wird es weiter gehen? Werde ich das alles schaffen?

Tun, was gut tut

Um solche Phasen gut zu überstehen, sollten Sie herausfinden, wie Sie am besten entspannen können. Was bringt Sie zur Ruhe? Wo können Sie neue Energie tanken?
Das kann ein Spaziergang mit dem Hund sein oder ein klassisches Konzert, oder vielleicht liegen Sie am liebsten im Liegestuhl und schauen dem Wolkentreiben
zu. Entwickeln Sie Ihre ganz eigenen Rituale und nehmen Sie sich ganz bewusst Zeit dafür – denn was Ihnen gut tut, das tut auch Ihren Nerven gut. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken erleben manche Menschen als hilfreich. Yoga kennen die
meisten, aber es gibt noch sehr viel mehr zu entdecken. Speziell der ferne Osten ist eine reiche Quelle für Praktiken, mit deren Hilfe sich Körper und Seele
in Einklang bringen lassen. Dass man auf diesem Weg Impulse für eine erfolgreiche Krankheitsbewältigung erlangen kann, ist inzwischen auch durch wissenschaftliche
Studien belegt.