GBS

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine entzündliche Erkrankung, bei der vor allem die schützenden Nervenhüllen angegriffen werden. Es kommt zu Lähmungserscheinungen, die lebensgefährlich sein können (Atemlähmung). Im Unterschied zur CIDP verläuft das GBS schnell und akut - Meist klingen die Symptome nach ein paar Wochen wieder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom (GBS)?

Das Guillain-Barré- Syndrom gehört zu den Autoimmunerkrankungen des Nervensystems.

Dabei kommt es bei Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark liegen (peripheres Nervensystem), zu entzündlichen Abbauprozessen im Bereich der Myelinscheiden. Im Unterschied zur CIDP handelt es sich um eine akute Nervenerkrankung, die sich im Gefolge von viralen oder bakteriellen Infektionen entwickelt. Typisch sind allgemeine Schwäche und Lähmungserscheinungen an Beinen und Armen, aber auch die Atemmuskulatur kann betroffen sein.
„Akut" bedeutet, dass sich die Symptome rasch innerhalb kurzer Zeit entwickeln. Beim GBS wird meist nach ungefähr 4 Wochen der Höhepunkt der Symptome erreicht. Bei den meisten Patienten bilden sich die Symptome dann langsam wieder zurück.

Das Guillain-Barré- Syndrom kann in mehreren Varianten auftreten. Die häufigste („klassische") Form des Guillain-Barré-Syndroms wird auch als akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie bezeichnet. (Im Gegensatz zur Chronischen Inflammatorischen Polyneuropathie CIDP.)

Was geschieht beim GBS?

Wie bei der CIDP sind die Beschwerden darauf zurückzuführen, dass das Immunsystem die isolierende Ummantelung der peripheren Nerven – die Myelinscheiden – attackiert. Die CIDP zählt damit zu den so genannten Autoimmunerkrankungen, für die ein Angriff des Immunsystems auf körpereigene Strukturen typisch ist. Die Nervenscheiden entzünden sich und die Reizweiterleitung ist dadurch beeinträchtigt. Betroffen sind Nerven des peripheren Nervensystems, das einerseits für die Weiterleitung von Sinneseindrücken zum Gehirn und andererseits für die Muskelbewegung zuständig ist. Das zentrale Nervensystem dagegen funktioniert normal.

Wie häufig ist GBS?

GBS ist eine sehr seltene Erkrankung. Es erkranken etwa 1 bis 2 von 100.000 Personen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten.

Wodurch wird GBS ausgelöst?

Was genau die Attacken des Immunsystems gegen die Schutzschicht der Nervenfasern auslöst ist unbekannt. Bei einigen Patienten trat ein GBS jedoch nach bakteriellen oder viralen Infektionen auf.

Welche Symptome treten auf?

Meistens beginnt die Erkrankung mit einer aufsteigenden Muskelschwäche in den Beinen. Es fällt beispielsweise schwer, Treppen zu steigen. Muskelschmerzen treten bei einem Teil der Patienten auf. Auch können Taubheits- oder Kribbelgefühle in den Händen oder Füßen vorkommen, die sich über den Köper über die Arme bis zum Kopf ausbreiten. Manchmal sind dann auch Gesichtsmuskeln oder die Atemmuskulatur von Lähmungen betroffen.
Die Entwicklung geht sehr schnell innerhalb weniger Tage und verschlechtert sich meist nicht länger als 4 Wochen. Die Rückbildung der Lähmungen und anderer Symptome kann Monate bis Jahre dauern. Bei einigen wenigen Patienten bleiben Folgeschäden zurück.

Wie wird GBS festgestellt?

Die Diagnostik umfasst u.a. die Untersuchung von Nervenwasser (Lumbalpunktion) und die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (Elektroneurographie). Die rasche Entwicklung der Erkrankung unterscheidet das Guillain-Barré-Syndrom von der CIDP.
[Link zum Diagnostikleitfaden CIDP –1.4. Diagnostik]

Wie wird GBS behandelt?
Intensiv-medizinische Überwachung

Die Patienten werden meist auf der Intensivstation behandelt, um eventuelle Verschlechterungen engmaschig überwachen und schnell behandeln zu können.

Immunglobuline

Die Behandlung mit intravenösen Immunglobulinen wie Gamunex® 10% beruht drauf, dass Immunglobuline auch regulierende Eigenschaften besitzen. Durch Infusion von Immunglobulinen lässt sich die Aktivität des Immunsystems und damit der Angriff auf die Nervenscheiden bremsen.

Plasmapherese

Die Plasmapherese ist ein technisches Blutwäsche-Verfahren, mit dem das flüssige Blutplasma von schädlichen Bestandteilen befreit wird. Bei GBS zielt die Plasmapherese auf die Beseitigung von autoaggressiven Zellen und Antikörpern sowie von entzündungsfördernden Substanzen ab. Dem Patienten wird zu diesem Zweck zunächst Blut entnommen und nach der Blutwäsche – aufgefüllt mit Ersatzstoffen – wieder zurück in den Körper geleitet. [wie bei CIDP]

Wie ist die Prognose?

Die meisten Patienten erholen sich bei frühzeitiger Therapie wieder vollständig.
Der Genesungsprozess kann sich allerdings über mehrere Monate ausdehnen.